Dienstag, 4. März 2008
Dienstag, 9. Oktober 2007
Warum nach Italien auswandern?
von Thomas Zühr
AFP meldet, dass in Italien eine Abstimmung über die Anhebung des Renteneintrittsalters begonnen hat. In den Fabriken wurden Wahlurnen aufgestellt.
Das ist ja hochinteressant! In Italien wird das Volk gefragt! Man stelle sich das Ergebnis einer solchen Abstimmung in Deutschland vor, als es einst um die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 ging.
Allerdings ist es auch in Italien ein beispielloses Basisvotum. Ab Beginn der Frühschicht sind in den Fabriken und Betrieben sowie den Gewerkschaftszentralen die Wahllokale geöffnet. Rund 15 Millionen Arbeiter und Angestellte, aber auch Aushilfskräfte und Arbeitslose, können bis Mittwoch über das Sozial- und Rentenpaket abstimmen, das die Gewerkschaften und die Regierung ausgehandelt haben.
Der zur Abstimmung stehende Entwurf sieht vor, dass die Altersgrenze im nächsten Jahr von 57 auf 58 Jahre heraufgesetzt wird. Die Anzahl der Beitragsjahre soll auf 35 angehoben werden. Ab 2011 sollen Arbeitnehmer bis 60 arbeiten und mindestens 36 Jahre lang Beiträge zahlen. Dagegen gibt es heftigen Widerstand.
Außerdem sind Sanktionen gegen die grassierenden ungeregelten Arbeitsverhältnisse und Verbesserungen bei der Arbeitslosenversicherung vorgesehen. Das Paket enthält unter anderem die Bestimmung, wonach ein befristet Angestellter nach spätestens 36 Monaten Beschäftigung das Recht auf einen festen Arbeitsvertrag erhält.
Ministerpräsident Prodi ist den Gewerkschaften insbesondere bei den Renten sehr weit entgegengekommen. Das Paket wird den Staatshaushalt des hoch verschuldeten Landes mit mehreren Milliarden Euro belasten. Der radikalen Linken in der Regierung geht das nicht weit genug: Grüne, Kommunisten und der Metallarbeiterflügel der kommunistischen Gewerkschaft CGIL verlangen den Verzicht auf jegliche Änderung beim Rentenalter und weitere Nachbesserungen.
Da wird uns jahrelang etwas von Globalisierung und europäischer Einigung erzählt, dass wir wettbewerbsfähig bleiben müssen und ohnehin die Gewinner jener Globalisierung sind. Wenn man sich die Rentenpolitik unserer Regierung ansieht und, im Gegenzug, den Vorgang in Italien betrachtet, dann fühlt man sich nicht als Gewinner.
Andererseits sollten sich natürlich nicht alle deutschen Arbeitnehmer der Hoffnung hingeben, dass sie, wenn sie mit 58 Jahren nach Italien auswandern, dort mit offenen Armen empfangen werden und sofort in den Genuss einer Rente kommen. Haus und Hof verlassen um seine Pension aufzubessern ist auch gar nicht zwingend notwendig.
Die Menschen, die in der Lage dazu sind, haben eine Chance: Eigeninitiative.
Die Zeit des Hoffens und Wartens ist vorbei.
Initiative 50plus-Job
Montag, 24. September 2007
Was hat die WM 1986 in Mexiko mit der heutigen Armut zu tun?
Wir schreiben das Jahr 1986.
Auf Initiative Gorbatschows wird der russische Regimekritiker Andrej Sacharow aus seiner sechsjährigen Verbannung entlassen. Deutschland unterliegt im Finale der Fußball-WM in Mexiko gegen Argentinien mit 2:3. Der Gau von Tschernobyl führt den Menschen die Gefahren der Kernenergie auch in Deutschland drastisch vor Augen. Das Space Shuttle CHALLENGER mit seiner siebenköpfigen Besatzung an Bord explodiert gut eine Minute nach seinem Start. Der so genannte Nettorealverdienst (nach Abzug von Steuern, Sozialbeiträgen) liegt in Deutschland durchschnittlich bei umgerechnet 15.785 Euro.
Was ist seit dem nicht alles passiert:
Die Deutsche Einheit kam, für die allermeisten, völlig überraschend und wurde von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung gefeiert. Der 11. September 2001 leitete das endgültige Ende der Euphorie ein, seine Folgen beschäftigen uns noch heute und werden es noch lange tun. Die Kanzler Kohl und Schröder haben ihren politischen Zenit erreicht und überschritten. Seit nunmehr 2 Jahren werden wir von einer großen Koalition unter der Kanzlerin Merkel regiert. Berlin ist jetzt Hauptstadt und etliche Reformen und Reförmchen haben uns alle mehr oder weniger getroffen.
Wir schreiben das Jahr 2006.
Gorbatschow wird in die Annalen eingehen, international geehrt, im eigenen Land überwiegend verdammt. Das Atomkraftwerk Tschernobyl soll einen neuen Sakopharg bekommen. Deutschland ist Weltmeister der Herzen und die amerikanische Raumfahrt hat sich auch von dem Absturz des nächsten Shuttle erholt. Der so genannte Nettorealverdienst (nach Abzug von Steuern, Sozialbeiträgen) liegt in Deutschland durchschnittlich bei 15.845 Euro.
Moment mal: Diese Zahl kommt Ihnen bekannt vor? Nein, nicht ganz. Aber fast.
Nach der Statistik des Arbeitsministeriums lagen laut "Bild" die Gesamtabzüge vom Bruttolohn im vergangenen Jahr auf Rekordniveau. Im Schnitt habe ein Arbeitnehmer 9291 Euro an Lohnsteuer und Sozialbeiträgen gezahlt. Das ist nach Angaben der Zeitung so viel wie noch nie zuvor. 1986 hätten die Abzüge noch bei 5607 Euro gelegen. Sie seien also um fast 66 Prozent gestiegen.
Die Bruttolöhne seien im gleichen Zeitraum dagegen nur um 48 Prozent von 22 333 Euro auf 33 105 Euro im Jahr gestiegen, schreibt das Blatt. Wegen der Inflation bleibe den Arbeitnehmern trotz steigender Bruttolöhne weniger übrig. So hätten die Löhne in den vergangenen fünf Jahren um 4,1 Prozent zugelegt, die Preise seien dagegen um 7,1 Prozent gestiegen.
In der SPD bekam die Forderung nach Mindestlöhnen durch die Studie neue Nahrung. Präsidiumsmitglied XYZ sagte: bla, bla, bla
Arbeitsmarktexperte XXX sagte: bla, bla, bla
Union und FDP fordern: bla, bla, bla
Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der ZZZ sagte: bla, bla, bla
Fassen wir zusammen:
Niemand sollte auf irgendeine kurzfristige Besserung durch deutsche Politik, Witschaft oder Verbände hoffen. Seit über 20 Jahren stagnieren die Löhne, im Gegensatz zu den Unternehmergewinnen. Eine Umverteilung von oben nach unten ist nicht zu erwarten.
Und die Zahl der Menschen die an der unteren Einkommensgrenze liegen wächst.
Die Menschen, die in der Lage dazu sind, haben nur eine Chance: Eigeninitiative.
Die Zeit des Hoffens und Wartens ist vorbei.
Initiative 50plus-Job